Kongress für Prävention und Langlebigkeit 2025: Berliner Erklärung

Gemeinsame Erklärung zur Zukunft der Prävention in Deutschland

Auf dem ersten Kongress für Prävention und Langlebigkeit am 10. Juli 2025 in Berlin gründen Expert: innen aus Medizin, Forschung, Wirtschaft, Krankenkassen, Verbänden und Zivilgesellschaft ein Bündnis zur Zukunft der Prävention. Die hier versammelten Aussagen, Empfehlungen und Forderungen sind ein gemeinsamer Aufruf für ein Gesundheitssystem, das nicht nur behandelt, sondern auch vorbeugt, unterstützt und befähigt.

Prävention beginnt im Alltag – in Kitas, Schulen, Betrieben und Quartieren. Prävention ist deshalb eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe, die weit über das Gesundheitswesen hinausreicht. Sie muss vernetzt, sektorenübergreifend und lebensweltorientiert gedacht und gestaltet werden. Das Bündnis von Partnern – von Kliniken über Krankenkassen bis hin zu Forschungseinrichtungen und Unternehmen – entwickelt und verantwortet Präventionsansätze, die vor Ort wirken.

Um Prävention wirksam in Deutschland zu verankern, braucht es systematische Strategien mit gezielter Aufklärung, evidenzbasierter Forschung und individualisierten, digital gestützten Maßnahmen. Entscheidend sind dafür klare gesundheitspolitische und ökonomische Anreize. Weiterhin sind aber auch die Akteure aus Medizin, Wissenschaft, Politik und Gesellschaft aufgefordert, in neuen Kooperationen Präventionsansätze zu entwickeln und etablieren. So kann die Resilienz des Gesundheitssystems gestärkt werden.

Gerade angesichts des demografischen Wandels braucht es ein neues Verständnis von Vorsorge: Sie stärkt Eigenverantwortung, entlastet das System und ermöglicht längere Teilhabe am Arbeits- und Gesellschaftsleben. Prävention wirkt – wenn sie früh, kontinuierlich und strukturell verankert ist.

Das eigentliche Potenzial der Prävention wird in Deutschland zu gering bewertet. Prävention ist wirksam und wirtschaftlich: Programme der Sekundärprävention können die Fälle bei fast allen chronischen Erkrankungen um 30 bis 80 Prozent reduzieren und das Gesundheitswesen langfristig entlasten.

Im internationalen Vergleich werden die Probleme der übergeordneten demographischen Krise durch Präventionsprogramme längst substantiell kompensiert. Auch Deutschland kann den steigenden Versorgungsbedarfs eindämmen, seine Fachkräfteressourcen besser nutzen und die Finanzierungsengpässe erheblich reduzieren.

Jetzt müssen die richtigen Weichen gestellt werden.

 

Unsere gemeinsamen Werte und Prinzipien

Wir stehen für eine Prävention, die:

  • menschenzentriert ist und sich an den Lebensrealitäten der Bevölkerung orientiert,
  • gerecht ist und bestehende Ungleichheiten aktiv abbaut,
  • wirksam ist, weil sie evidenzbasiert, qualitätsgesichert und zielgerichtet umgesetzt wird,
  • verbindlich ist, weil sie politisch priorisiert und strukturell finanziert wird,
  • kooperativ ist, weil sie alle relevanten Sektoren und Lebensbereiche einbezieht,
  • zukunftsgerichtet ist, weil sie neue Technologien und Erkenntnisse sinnvoll nutzt.

 

10 Handlungsaufforderungen für eine präventionsorientierte Gesellschaft

  1. Prävention verbindlich finanzieren
    Investitionen in Prävention zahlen sich für Gesundheit, Teilhabe und Volkswirtschaft aus. Es braucht eine verlässliche, strukturell verankerte Finanzierung statt kurzfristiger Projektförderung. Prävention muss als integraler Bestandteil unseres Gesundheits- und Sozialsystems verstanden und entsprechend dauerhaft abgesichert werden – mit klaren Zuständigkeiten und langfristiger Perspektive.
     
  2. Anreizsysteme gesundheitsfördernd gestalten
    Es braucht Anreize, die gesundes Verhalten fördern, soziale Unterschiede ausgleichen und Prävention im Alltag attraktiv und zugänglich machen. Finanzierungs- und Steuerungssysteme müssen gesundheitsfördernd wirken – auf individueller wie auf struktureller Ebene.
     
  3. Lebenswelten in den Mittelpunkt rücken
    Gesundheit entsteht im Alltag – in Kitas, Schulen, Betrieben und Quartieren. Lebensweltorientierte Ansätze müssen gestärkt und systematisch ausgebaut werden. Gesundheitsförderliche Lebensverhältnisse sind zentrale Voraussetzung für individuelle und kollektive Prävention.
     
  4. Städte gesund gestalten
    Es braucht Orte, die uns guttun. Die helfen, gesund zu bleiben, auch psychisch. Und die uns schützen – vor Hitze, Stress und Einsamkeit. Städte brauchen eine Mental-Health-Strategie, die Gesundheit, Bildung und Kultur für alle leicht zugänglich macht. Urbane Gesundheitsförderung darf kein Nebenschauplatz sein. Sie gehört ins Zentrum jeder Stadtplanung.
     
  5. Personalisierte Prävention ermöglichen
    Technologien wie Genanalysen, digitale Gesundheitsdaten und KI bieten neue Chancen für eine individuell zugeschnittene Vorsorge. Voraussetzung dafür sind hohe Datenschutzstandards, gerechter Zugang und eine ethische Rahmung. Ziel ist es, Prävention wirksam an individuelle Risiken und Bedürfnisse anzupassen – auf Basis kausaler Zusammenhänge zwischen Lebensstil-, Umwelt- und Krankheitsfaktoren.
     
  6. Psychische Gesundheit fördern
    Mentale Gesundheit braucht denselben Stellenwert wie körperliche Gesundheit – mit Programmen zur Resilienzstärkung, Stressprävention und Demenzvorsorge in allen Lebensphasen. Psychische Gesundheit ist ein systemischer Faktor – sie betrifft Bildung, Arbeit, soziale Beziehungen und gesellschaftliche Teilhabe.
     
  7. Gesunde Arbeit als Standard etablieren
    Gesundheitsfördernde Arbeitsbedingungen helfen, Fachkräfte zu halten. Prävention muss Teil jeder Personalstrategie sein – insbesondere in Gesundheits- und Sozialberufen. Betriebliche Gesundheitsförderung muss als integrativer Bestandteil einer nachhaltigeren Arbeitskultur verstanden und strukturell verankert werden.
     
  8. Gesundheitskompetenz gezielt stärken
    Verständliche Informationen, partizipative Angebote und wirksame Risikokommunikation sind der Schlüssel zu selbstbestimmtem Handeln. Wissenschaftliche Erkenntnisse müssen niedrigschwellig vermittelt und lebensnah übersetzt werden – damit Menschen ihre Gesundheit aktiv gestalten können.
     
  9. Altern mit Qualität ermöglichen
    Gesundes Altern ist kein Zufall. Bewegungsförderung, soziale Teilhabe und medizinische Vorsorge müssen früh ansetzen und nachhaltig gefördert werden. Altersprävention erfordert einen ganzheitlichen Blick auf biologische, psychologische, soziale und ökologische Einflussfaktoren – über alle Lebensphasen hinweg.
     
  10. Politische und institutionelle Verankerung schaffen
    Prävention braucht ressortübergreifende Strategien, Koordination auf Bundes-, Landes- und kommunaler Ebene und verbindliche Rahmenbedingungen für alle beteiligten Akteure – von Politik über Krankenkassen und Kommunen bis hin zu Verbänden und Zivilgesellschaft.
     

Unsere Vision: Eine Gesellschaft der Vorsorge

Wir streben eine Gesellschaft des langen und gesunden Lebens an,

  • in der Gesundheit nicht repariert, sondern gestaltet wird – aktiv, gerecht und gemeinsam,
  • in der alle Menschen befähigt und unterstützt werden, ihre Gesundheit zu schützen und zu stärken,
  • in der Prävention nicht nur die Gesundheit Einzelner verbessert, sondern sozialen Zusammenhalt, Teilhabe und Wohlstand für alle fördert.

Wir brauchen ein Gesundheitssystem, das auf Gesundheit und Prävention und nicht auf Krankheit und Intervention ausgerichtet ist. Prävention ist keine Option. Sie ist der Weg.
 

Hier können Sie die Berliner Erklärung downloaden. 
 

V.i.S.d.P.:
Gesundheitsstadt Berlin e. V.
Dr. Daniel Dettling
Geschäftsführer
Schützenstraße 6 A
10117 Berlin
E-Mail: dettling@gesundheitsstadt-berlin.de